Schimmelpilzbehandlung nach Wasserschaden

Gemeinsames Infoblatt IGU und Sachverständigenbüro Fuchs

Oktober 2011

Stand der Dinge

Noch vor 10 Jahren war die Instandsetzung von Leitungswasserschäden allein die Aufgabe von Trocknungs- und Malerfirmen. Die entstandenen „Stockflecken“ wurden dann mit Bürste und Pinsel bearbeitet, verschimmelte Tapeten kleinflächig entfernt und sahen danach zumindest frisch renoviert aus.

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Mit der Veröffentlichung der beiden Schimmelpilz-Leitfäden des Umweltbundesamtes 2003 und 2005 gibt es nun seit einigen Jahren fundierte Vorgaben für die sachgerechte Behandlung von Schimmelpilzschäden. Diese UBA-Leitfäden haben zwar keinen Gesetzescharakter, sind jedoch durch die Rechtsprechung im Grundsatz bestätigt worden und gelten als inzwischen als anerkannter Stand der Technik.

Befallsrisiken und mögliche Folgen unsachgemäßer Sanierung

Es kann als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass bei länger anhaltenden Leckageschäden auch auf biologisch beständigeren Materialien, wie Styropor-Trittschalldämmungen oder Gipsputzen, ein Befall mit Schimmelpilzen und Bakterien entsteht. Höher ist das Befallsrisiko bei organischen Materialien, wie Kartonschichten von Leichtbauplatten (Gipskarton), Fermazell- oder Pressspanplatten. Hier reicht oft eine kurze Feuchtigkeitseinwirkungen für eine deutliche Befallsentwicklung. Auf sehr feuchten zellstoffhaltigen Schichten können sich gesundheitlich kritische Schimmelpilze, wie Stachybotrys oder Chaetomium bilden. Bei Abwasser- und Fäkalwasserschäden ist durch den zusätzlichen Eintrag von Nährstoffen und Keimen in die Bauteile ebenfalls ein hohes Befallsrisiko vorhanden. Auch starken Geruchsbelastungen sind möglich.

Im Falle, dass stark verschimmeltes Material in den Wohnräumen nach der Instandsetzung verbleiben oder durch unsachgemäße Drucktrocknung sowie Demontage Schimmelpilzbestandteile in die Räume eingebracht werden, kann auch bei visuell unauffälligem, teilsaniertem Zustand eine gesundheitliche Gefährdung für die Nutzer der Räume vorliegen.

Es sollte daher der Grundsatz gelten, lieber gleich im ersten Anlauf eine vollständige und sachgerechte Sanierung vorzunehmen, als später Nacharbeiten auszuführen zu müssen. Denn dies ist stets mit dem Risiko von hohen Mehrkosten durch Auszug der Nutzer, Wiederholung von Sanierungsschritten, eventuellen finanziellen Nachforderungen und langwierigen Rechtsstreiten verbunden.

Ablauf einer sachgerechten Sanierung

Bei Bemerken von Leckageschäden sollte die zuständige Gebäudeversicherung, bei Verdacht einer Schädigung von Mobiliar auch die Hausratversicherung informiert werden. Falls bei Neubauten oder Umbauten noch Ansprüche an ausführende Firmen gestellt werden können, sind auch diese schriftlich über das Schadensereignis zu informieren.

Einer vollständigen Sanierung muss immer die vollständige Erfassung der genauen Schadensursache und des Schadensumfangs vorausgehen. Die Ursache der Leckage muss ermittelt und abgestellt werden. Die ist Aufgabe von speziell ausgebildeten und ausgerüsteten Leckageortungsfirmen, die oft auch über Trocknungs- und Sanierungskompetenz und –technik verfügen.

Bei unklarer mikrobiologischer Situation ist es ratsam, schnell mit technischen Trocknungsmaßnahmen zu beginnen, um eine Stabilisierung der Situation herbeizuführen. Bei Schimmelpilzverdacht sollte hierbei immer eine Saugtrocknung bzw. Saug-Druck-Trocknung mit Abluftfilterung eingesetzt werden. Die früher häufig eingesetzte Drucktrocknung ist zwar unter dem Trocknungsaspekt wirkungsvoller, kann jedoch zu einer Sporenfreisetzung über die Randfugen und damit zu einer Sporenkontamination der Raumluft führen. Nach Vorliegen von Schnellanalysen (in der Regel 2-3 Tage) kann durch das Fachunternehmen, den Schadensregulierer oder Sachverständigen eine Festlegung der des Sanierungsumfangs erfolgen.

Im Vordergrund einer der mikrobiologischen Untersuchung steht nicht unbedingt die vollständige Artendifferenzierung oder großangelegte messtechnische Untersuchungen in offensichtlich befallenen Bereichen, sondern die Abgrenzung zwischen schadensbedingt befallenem Material von den übrigen nicht mikrobiologisch befallenen Materialien beziehungsweise die staubdichte Trennung sporenkontaminierter Gebäudebereiche von unbeeinflußten Gebäudebereichen. 

Vorgehensweise bei Sicherung und Sanierung

Die einfachste, schnellste und wirkungsvollste Maßnahme bei Entdecken von Feuchteschäden mit Schimmelpilzverdacht ist die Anbringung von Folienabklebungen zur Abschottung des Sanierungsbereiches von den übrigen Gebäudebereichen. Wird diese Erstmaßnahme nicht vorgenommen, kann es bei den weiteren Trocknungs- und Bearbeitungsschritten leicht zu Sporenverfrachtungen und einer Vervielfachung des Reinigungsaufwandes kommen.

Die Ausführung der Schutzmaßnahmen und Demontagearbeiten sollte von einer sachkundigen Fachfirma vorgenommen werden, die über die technische Ausrüstung und Erfahrungen bei Schimmelpilzsanierung verfügt.

Nach der Demontage empfiehlt sich eine Sichtkontrolle durch einen Fachmann, ob alle mikrobiell geschädigten Materialien ausgebaut wurden. Ist die Demontage vollständig gewesen, schließen sich eine Feinreinigungsschritte an.

Hierbei werden die Oberflächen mit Feinstaubsaugern und Waschlösungen gereinigt, die Raumluft wird begleitend technisch gefiltert, um alle schadensbedingten Sporenbeaufschlagungen zu entfernen. Ziel sollte hierbei eine weitgehende Normalisierung der Sporenkonzentrationen vor Rückbau und malermäßiger Wiederherstellung sein. Es gilt der Grundsatz, dass eine gründliche Reinigung erfolgversprechender ist als das schnelle Versprühen meist wirkungsloser Desinfektionsmittel. Die Sporen und Fragmente müssen unabhängig davon, ob sie abgetötet wurden, weggereinigt werden.

Kontrolle und Dokumentation des Sanierungserfolges

Bei größeren Schimmelpilzschäden sollte der Sanierungserfolg messtechnisch überprüft und dokumentiert werden. Der Bericht zur abschließenden Messung der Raumluft und der Oberflächen im Sanierungsbereich ist die Freigabe-Dokumentation für die ausführende Sanierungsfirma und Start für die Wiederherstellungsarbeiten. Die Kontrolluntersuchung bringt für die Nutzer und Eigentümer von Gebäuden die Sicherheit nach Abschluss der Maßnahmen nun vollständig sanierte und gesundheitlich unbedenkliche Räume zu übernehmen.

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