Brandgas ist nicht gleich Brandgas

Die chemische Zusammensetzung und der Umfang von freiwerdenden Brandgasen und Rußbeaufschlagungen variiert von Brandschaden zu Brandschaden und ist abhängig vom verbrannten Material (Brandgut), dem Brandverlauf und den räumlichen Rahmenbedingungen. Grundsätzlich können Schwelbrände unter dem Aspekt der Schadstofffreisetzung kritischer sein als offene, heiße Brände.

Die sachgerechte Sanierung eines normalen Brandschadens umfasst in der Regel den Ausbau der verbrannten Materialien und die Bearbeitung der verrußten Flächen. Bei Kunststoffbränden oder ungünstigem Brandverlauf kann es in selteneren Fällen zu lang anhaltenden Geruchsauffälligkeiten kommen. Zur Geruchsminimierung sind dann oftmals umfangreichere Demontage- und Beschichtungsmaßnahmen durchzuführen. 

Bewährte Vorgaben der VdS 2357 Da von Seiten der öffentlichen Gesundheitsbehörden bislang keine einheitliche und in sich geschlossene Richtlinie zum Vorgehen bei Brandschäden vorliegt, wird bei der Einstufung und Sanierung nach der Richtlinie der Schadensregulierer VdS 2357 in der Fassung von 2007 von Brandschäden vorgegangen.

In der Richtlinie wird darauf hingewiesen, dass im niedrigen Temperaturbereich bis 400°C geruchsintensive und reizende, aber eher leichtflüchtige chemische Verbindungen, wie Schwefelwasserstoff, Ameisen- oder Essigsäure entstehen, die in der Regel nicht lange im Gebäude verbleiben, sondern durch Reinigung und Lüftung einfach zu beseitigen sind.

Im mittleren Temperaturbereich von 500 bis 700°C können bei entsprechenden Brandmaterialien, wie z.B. PVC oder anderen Kunststoffen, mittel- und schwerflüchtige gasförmige Verbindungen entstehen. Wenn diese in tiefere Materialschichten, wie zum Beispiel Putz oder Dämmungen hinter Verkleidungen eindringen, sind sie bei der Schadenssanierung oft nur schwer zu entfernen. Die bekanntesten rußgetragenen Schadstoffe bei unvollständiger Verbrennung sind polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Verbindungen aus der Gruppe der polychlorierten Dioxine und Furane.

Die Einstufung der Brände nach ihrem Schadstoffpotential und die daraus resultierende Vorgehensweise bei der Sanierung ist in der VdS in einem Fliessdiagramm dargestellt, in der die Gefährdungsstufen von 0 (unbedenklich) bis 2 oder 3 mit einer aufwendigeren Schadstoffsanierung beschrieben werden.

Alte Richtwerte für Oberflächen vor und nach Sanierung gemäß VdS

Die bisher veröffentlichten und gültigen Richtwerte des VdS beziehen sich im Wesentlichen auf die Bestimmung verschiedener Schadstoffe in den Rußablagerungen. Typische schwerflüchtige Brandrückstände mit Einstufungen als krebserzeugend, erbgutverändernd und fruchtschädigend, sind die schon erwähnten PAK.

Für die Summe der so genannten EPA-PAK ist bei Oberflächenwischproben ein Sanierungszielwert von kleiner 100 µg/m² festgelegt. Dieser anzustrebende Zielwert liegt deutlich über den üblichen Oberflächenanlagerungen in Innenräumen und wird somit nach Sanierungen regelmäßig eingehalten, wenn nicht noch klar erkennbare Schwärzungen vorhanden sind.

Das gleiche trifft für den Richtwert der polychlorierten Biphenyle (PCB) von kleiner 100 µg/m² (Summe nach LAGA) und den Sanierungszielwert für polyhalogenierte Dibenzo-Dioxine und –Furane von kleiner 50 ng TE/m² (VDS) beziehungsweise kleiner 10 ng TE/m² (Hessen 1989, Staatsanzeiger für das Land Hessen Nr. 51, Seite 2549 ) zu. Auch hier sind die Vorgaben bei normaler und sorgfältiger Sanierungsausführung in der Regel problemlos einzuhalten.

Neue öffentliche Richtwerte für Raumluft für Geruchsstoffe

Da die Geruchsschwellen dieser chemischen Verbindungen niedrig sind (Konzentrationen, ab der sie für den Menschen geruchlich wahrnehmbar sind liegen unter 5 µg/m³), bleiben einige Brandausgasungen längere Zeit in der Raumluft präsent und waren in der Vergangenheit von den Nutzern mit dem Hinweis, dass in den kommenden Wochen eine Besserung eintritt, hinzunehmen.

Die Messung und abschließende Bewertung geruchlich wahrnehmbarer Brandrückstände war bisher schwierig, weil keine öffentlichen Vorgaben existierten, obwohl die Substanzen als gesundheitsgefährdend eingestuft sind.

Nun wurde von der Ad-hoc-Kommission aus Mitgliedern der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes (IRK) und der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Gesundheitsbehörden der Länder (AOLG) nachgearbeitet: Mit Wirkung vom Ende Oktober 2011 sind folgende neue Richtwerte RW I (unbedenklicher Vorsorgewert) und RW II (wirkungsbezogene Eingriffsschwelle) festgelegt worden 
» Richtlinie des Umweltbundeamtes zur Innenraumluft

Für die Verbindung Naphthalin wurde von der Innenraumluft-Kommission eine Eingriffschwelle (RW II) von 20.000 ng/m³ und ein Vorsorgewert (RW I) von 2.000 ng/m³ festgelegt.

Für Phenol sind nach Maßgabe der nun veröffentlichten neuen Richtwerte Raumluftkonzentrationen unterhalb des RW I-Vorsorgewertes von 20.000 ng/m³ (0,02 mg/m³) als unkritisch zu sehen. Für die geruchlich ebenso relevanten Verbindungen m-Kresol und p-Kresol wird von der Kommission für die Zukunft ein möglicher RW I-Vorsorgewert von 5.000 ng/m³ (0,005 mg/m³) diskutiert. Diese Richtwerte können somit als Sanierungszielwerte nach Abschluss der Arbeiten dienen.

Raumluftmessungen bzgl. Naphthalin und Phenolen sind umweltanalytische Routineuntersuchungen unseres Ingenieurbüros.

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