Schimmel und Pilzbefall an Dachkonstruktionen

im Neubau, nach Dachdämmung oder beim Ausbau von Dachgeschosswohnungen

IGU Ingenieurbüro Gesundheit + Umwelt, Dipl.-Ing. René Fuchs 2018

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger IHK „Schimmelpilze und Schadstoffe in Innenräumen“

Niederlassungen:

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Zusammenfassung

In den vergangenen Jahren mehren sich Schadensmeldungen mit Schimmel und Befall  mit holzzerstörenden Pilzen an den Holzbauteilen des Daches in Neubauten, bei Umbaumaßnahmen, Dachaufstockungen oder nach energetischen Sanierungen von Altbaudächern.

Die Feuchtigkeit als Voraussetzung für den Pilzbefall kann durch mangelhaftes Feuchtemanagement während der Baumaßnahmen (eindringendes Niederschlagswasser und Anfeuchtung des Dachstuhls, Einbau feuchter oder vorgeschädigter Holzmaterialien, Kondenswasserbildung in Folge von Putz- oder Estricharbeiten) stammen.

In nachgerüsteten Altbaudächern kann es nach den ersten Wintern außerdem zu Kondensation durch nutzungsbedingt erhöhte Feuchte im Dachboden durch nicht sachgerecht ausgeführte Luftdichtheitsebenen zu den wärmeren Wohnbereichen kommen.

Bei der Sanierung oder dem Ausbau von Dachgeschosswohnungen werden häufig umfangreiche Altschäden an den Trägern und Schalbrettern freigelegt, die durch undichte Dacheindeckungen o.a. entstanden sind. Diese und weitere Überraschungen während der Baumaßnahme, wie das Feststellen von Vorbelastungen durch Holzschutzmittel (Xylamon, Hylotox o.ä.), die eine sachgerechte Fachsanierung alter Mineralwolldämmungen oder asbesthaltiger Platten erfordert, erhöhen den geplanten Sanierungsaufwand und verzögern die Fertigstellung.

Nicht immer zeigen sich die Schäden nach Bezug der Wohnräume an den raumseitigen Dachschrägen durch Feuchtigkeit oder Wasserflecke oder modrige Gerüche. Oft werden größere Befallsflächen oder verfaulte Holzmaterialien erst nach Freilegung (Entfernen der Gipskartonverkleidungen, Dampfbremse und Dämmung) festgestellt. Bei der Bewertung sind die bautechnischen, hygienischen und rechtlichen Aspekte dieser Schäden zu beachten.

Der Umfang und die Ausführung von Sanierungsmaßnahmen ist vom Zustand und der Nutzung des Objektes abhängig. Oftmals lassen sich hygienisch einwandfreie Zustände durch überschaubare Maßnahmen erreichen (Sanierung nach Umweltbundesamt 2017 und DHBV-Merkblatt 2/2015).

Im Falle besonderer rechtlicher Ansprüche bei Neubauten oder bei Umbauten mit Gewährleistungsansprüchen ist der „mangelfreie Zustand“, der sich am üblichen, schadensfreien Lieferzustand orientiert, deutlich schwerer durch Sanierungen herzustellen („BGH-Dachstuhl-Urteil“) als ein hygienisch unbedenklicher Zustand nach Vorgaben des Umweltbundesamtes.

Der nachfolgende Infobrief gibt eine Übersicht über typische Schadensfälle, die Vorgehensweise bei der Bewertung und Sanierung durch sachverständige Sanierungsplanung und -begleitung sowie abschließende Kontrollmessungen.

Schadensszenario 1:

Schimmelbefall und Holzzerstörer im Neubau durch erhöhte Baufeuchte

Insbesondere bei Winterbaustellen kann es nach Einbau der Wandputze oder des Estrichs tagelang zu deutlich erhöhten Luftfeuchten im Gebäude kommen, die bei nicht sachgerechtem Feuchtemanagement an den kühleren Bauteiloberflächen kondensieren. Dies sind in der Regel die Oberflächen des Dachstuhls (Dachträger, Schalbretter, Weichfaserplatten, Unterspannbahn) sofern diese nicht durch vorherige dichte Abklebungen geschützt wurden (Luftdichtheitsebene mit Dampfbremse). Kritische Bereiche sind hierbei insbesondere die Durchdringungen von Rohr- und Elektroinstallationen durch die Dampfbremsfolie. Der volle Schadensumfang ist oft erst nach Freilegung erkennbar.

Während der Bauphase mit offenen einsehbaren Dachschrägen sind Schäden an den Holzbauteilen und Leichtbauplatten in der Regel leicht durch Sichtkontrolle, Oberflächenmessungen oder Beprobungen feststellbar, beispielsweise durch einen Schimmelgutachter.

Im genutzten Zustand oder nach Einbau der Dämmung, Folien und Verkleidungen ist die Öffnung der Unterkonstruktion, eine großflächige Freilegung der Träger und Verschalung, insbesondere an den Außenecken und über Bädern erforderlich, die möglichst kleinflächig, aber trotzdem aussagefähig genug sein muss, um von Nutzern und den Baubeteiligten akzeptiert zu werden.

Beim Neubau von Gebäuden gibt es verschiedene Einflussmöglichkeiten zur Vermeidung von mikrobiologischen Schäden:

  • Konstruktive Lösungen und Bauwerksüberwachung
  • Materialauswahl, Feuchteüberwachung, Dokumentation und Imprägnierung
  • Kontrolle Luftdichtheit, Insektendichtheit

Schadensszenario 2:

Schimmelschäden nach Dachdämmung/energetischer Sanierung im Altbau

Die nachträgliche Dämmung von Altbaudächern erhöht insbesondere durch erhöhte Luftdichtheit das Risiko für Kondenswasserschäden und Schimmel im Dachboden. Je nach Lage der Luftdichtheitsebene (über der obersten Geschossdecke oder in der Dachschräge zwischen den Sparren) kann bei nicht sachgerechter Planung oder Ausführung warme Luft verstärkt aus den Wohnräumen oder dem Treppenhaus in den kalten Dachboden eindringen und hier zu Kondenswasserbildung und Pilzbefall an den Trägern und Schalbrettern führen. Die Ertüchtigung der Dampfdichtheitsebene durch Lokalisierung und Nacharbeiten der undichten Bereiche hat hier Vorrang gegenüber einer zusätzlichen Belüftung des Daches, die nur flankierende Maßnahme sein kann.

Schadensszenario 3:

Pilz- und Schimmelschäden in unbelüfteten Flach- oder Pultdächern

In Neubauten oder jüngeren Gebäuden (bis zu 10 Jahre) kann es in unbelüfteten Dachkonstruktionen zu starken Auffeuchtungseffekten und Pilzbefall kommen, ohne dass die Schäden in den ersten Jahren bemerkt werden. Die raumseitigen Oberflächen sind durch Folien, Dämmungen, Verkleidungen abgedeckt. Selten tropft Wasser aus der Verkleidung in die Wohnräume, auch Gerüche treten in der Regel nicht auf. Vereinzelt kann es zu Gesundheitsbeschwerden bei den Nutzern kommen. Vergleichsweise kleine Luftundichtheiten an den Rohrdurchdringungen (meist der Badentlüftungen) werden bei der standardmäßigen Blower-Door-Messung, die ja oft nur Summenwerte bestimmt und nicht als Luftleckageortung ausgeführt wird, nicht bemerkt und können zu einer dauerhaften Anfeuchtung im Dachaufbau führen, die nicht mehr nach außen abgelüftet werden kann. Es entwickeln sich bei derartigen Schäden oft nicht nur Schimmelpilze, sondern auch Holzzerstörer wie Muschelkrempling, Brauner Kellerschwamm, Rindenpilzen o.ä. die dann die Konstruktionshölzer so stark schädigen, dass es später an der Dachoberflächen zu Festigkeitsverlust und Absenkungen kommt. Erst Jahre nach dem Schadenseintritt und oft nach Ablauf der Gewährleistung sind dann umfangreiche Dachsanierungsmaßnahmen erforderlich.

Schadensszenario 4:

Schadensfeststellung bei Dachausbau im Altbau, Austausch der Dachfenster

Bei Dachsanierungen oder Dachausbau werden nach Rückbau der Dacheindeckung und der raumseitigen Verkleidungen oftmals umfangreiche Altschäden an den Holzbauteilen festgestellt. Durch die jahrelange Wassereinwirkung an defekten Gauben- oder Fensteranschlüssen können große Befallsflächen und Zerstörungen entstanden sein, die aufwendig saniert werden müssen. In Gebäuden, die älter als 40 Jahre sind, können Holzschutzmittelbelastungen durch Imprägierungen mit PCP, Lindan, DDT grundsätzlich nicht ausgeschlossen, die vor der Nutzung des Dachgeschosses als Wohnraum ebenfalls sachgerecht zu sanieren sind (Abschleifen, diffusionsdichtes Kaschieren).

Die später eingebauten Dampfbremsfolien an den Dachschrägen stellen keine geeignete oder zugelassene diffusionsdichte Ebene dar, die dauerhaft das Eindringen von Schadstoffen oder Pilzbestandteilen / Gerüchen verhindern könnten.

Aktuelle Bewertungsgrundlagen und Regelungen

Schimmelpilzschäden im Dachaufbau sind gemäß UBA-Leitfaden 2017, BVS-Richtlinien und DHBV-Merkblatt 2/2015 einzustufen. Der Befall mit holzzerstörenden Pilzen ist gemäß DIN 68800 und Beuth-Kommentar zu bewerten und zu sanieren.

In nicht belüfteten Dachkonstruktionen fallen nach DIN 68800 die tragenden Holzbauteile in die niedrigste Gefährdungsklasse GK 0, müssen also wegen des geringen Risikos der Anfeuchtung und eindringender Insekten nicht fungizid oder insektizid imprägniert werden.

Unter hygienischen Aspekten sind bereits Schimmelpilzbefallsstellen größer 0,5 m² in die höchste Schadenskategorie „3“ einzustufen und dann Sanierungsarbeiten nach Vorgaben des Umweltbundesamtes („Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden 2017“) auszuführen.

Im UBA-Leitfaden 2017 wird im Abschnitt 6.3 Sanierung großen Schimmelpilzbefalls, Unterpunkt 6.3.5 Entfernung befallener Materialien zur Vorgehensweise in schimmelpilzbefallenen Dachstühlen ausgeführt:

„Schimmelbefall auf massivem Holz (z. B. Dachsparren) kann durch ab­rasive Verfahren (u. a. Abhobeln) entfernt werden. Empfehlungen hier­zu gibt auch das DHBV-Merkblatt 02-15/S1. In Nutzungsklasse III reicht je nach Raumnutzung ein oberflächliches Absaugen/Abwischen aus.

Sämtliches entferntes kontaminiertes Material soll, wenn es den ge­schützten Arbeitsbereich verlässt, in Behältern oder luftdicht verpack­ten Säcken auf dem kürzesten Wege aus dem Gebäude in möglichst ge­schlossene Container gebracht werden (gilt für alle Nutzungsklassen).

Mikrobiell eindeutig befallene Materialien, die problemlos und somit meist wirtschaftlich demontiert werden können, wie Gipskartonplatten, Holzwerkstoffplatten oder Dämmmaterialien sollten nicht im Gebäude belassen werden. Bei Räumen der Nutzungsklasse III kann je nach Art der Raumnutzung und Schädigung des Materials entschieden werden, ob eine Belassung der Materialien oder eine oberflächliche Entfernung des Befalls durch Reinigen möglich und ausreichend ist.“

Bezüglich der Bewertung und Sanierung von Schäden am Dachstuhl, außerhalb der Nutzungsebene erläutert MORISKE den Standpunkt der Umweltbundesamtes wie folgt:

„Die Nutzungsklasse IV umfasst alle abgeschotteten Bauteile und Gebäudebereiche, die bauseits keine Verbindung zur Nutzungsebene (Wohnraum, Büro, Schulen etc.) haben. Dies sind zum Beispiel ausgebaute Dachgeschosse mit Schimmel innerhalb der Dachkonstruktion, der aber nicht in der Nutzungs- und Wohnebene auftritt. Bei Nutzungsklasse IV kann man hygienisch durchaus den Schimmelbefall im Gebäude belassen, muss jedoch sicherstellen, dass keine Verbindung zum Nutzungsraum, auch auf Dauer nicht, entsteht… Voraussetzung für ein Verbleiben des Schimmelbefalls in den Gebäudebereichen der Nutzungsklasse IV ist zudem, dass die Bauteile bestimmungsgemäß trocken oder nicht dauerhaft feucht sind, da es sonst zu unnötiger weiterer Keimvermehrung kommt und die Bauteile überdies selbst Schaden durch z.B. holzzerstörende Pilze nehmen können.“ (Fachbeitrag im „Der Sachverständige“ 2017)

Im DHBV-Merkblatt 02-15/S1 wird zur Sanierung von schimmelpilzbefallenen Dachstühlen ausgeführt:

Abschnitt 8.2 Rückbau

„Der Rückbau von schimmelpilzbefallenen Dachstühlen ist sehr aufwendig. Das Dach muss abgedeckt beziehungsweise Dachabdichtungen müssen entfernt werden… Gleichzeitig sind Maßnahmen zu ergreifen, damit der darunter liegende Baukörper nicht durch Niederschläge belastet wird.

In der Regel ist ein vollständiger Rückbau der Hölzer nicht notwendig, da Holzschäden durch Schimmelpilze i.d.R. nur im oberflächennahen Bereich vorzufinden sind und kein Eindringen /Wachstum der Schimmelpilze in tiefere Schichten stattfindet..… Insbesondere bei reinen Holzkonstruktionen sind demzufolge oberflächenbezogene Sanierungsmaßnahmen zu bevorzugen.“

Ergebnis dieser Sanierungen nach Vorgaben des Umweltbundesamtes und des DHBV-Merkblattes sind in der Regel hygienisch unbedenkliche Gebäudebereiche, entsprechend der Definition der Anforderungen der Nutzungsklassen. Ein hundertprozentig schimmelpilzfreier Zustand oder mangelfreier Neubauzustand soll und wird hierbei nicht erreicht. Diese Vorgehensweise erfordert daher in der Regel eine Übereinkunft von Bauherr, Bauträger und Sanierer über das erreichbare Sanierungsergebnis.

Eine streng rechtliche Bewertung von Pilzbefall an Dachstühlen in Neubauten ist im  BGH-Urteil zum Befall an Dachstühlen enthalten.

Hierin wird ohne Berücksichtigung hygienischer Aspekte aus dem Werkvertragsrecht ein Schimmelpilz- und sporenfreier Zustand gefordert, da in Neubauten Nutzungs- oder Vorschäden ausgeschlossen werden können und der Käufer ein mangelfreies Bauwerk erwartet.

Das „BGH- Dachstuhl-Urteil“ beinhaltet eine ausschließlich rechtliche Beurteilung eines Einzelfalls ohne die Berücksichtigung der üblichen mikrobiellen Beaufschlagungen von Baumaterialien im normalen Lieferzustand. Auch das auf die Baustelle gelieferte Holzmaterial weist im Normalfall bereits punktuelle Verfärbungen und kleinen, oberflächlichen Befall auf, der zum Beispiel bei einer Besiedlung mit Bläuepilzen auch rechtlich zulässig ist. Ein vollständig sporen- und befallsfreier Zustand entspricht nicht der üblichen Baupraxis. Der Austausch  eines kompletten Dachstuhls aufgrund von Schimmelpilzbefall ist daher nicht die Regelsanierung, sondern oft nur durch langjährige gerichtliche Verfahren mit Sachverständigenbegutachtung (Selbständiges Beweisverfahren, Klage) möglich. Da diese  streitgegenständlichen Gebäude vor Abschluss des Verfahrens nicht saniert und daher auch nicht bewohnt werden können, übersteigen die Verfahrenskosten und die Kosten für die zusätzlichen Mietaufwendungen dann oftmals die Kosten der erforderlichen Schadenssanierung.

Sachgerechte Schadenssanierung

Die Schadensbewertung, Sanierungsplanung, -überwachung und Erfolgskontrolle sind Aufgabe von ausgebildeten und geprüften Schimmelgutachtern. Das erste Sanierungsziel ist die Beseitigung der baulichen Ursachen der Feuchtigkeit, die Vermeidung zukünftiger Feuchte- und Pilzschäden das Entfernen aller freigewordenen Rückstände sowie unter Berücksichtigung der aktuellen Vorgaben und Regeln. Interdisziplinäre Arbeitsweise mit Bausachverständigen, Bauphysikern und Dachhandwerkern ist zwingend erforderlich.

Die Sanierungsplanung des Schimmelpilzbefalls erfolgt auf Basis der Vorgaben der Berufsgenossenschaft Bau DGUV 201-028 „Handlungsanleitung  Gesundheitsgefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung“ (BG Bau 2016), der holzzerstörenden Pilze nach DIN 68800 Teil 4.

Schimmelpilzbefall auf Oberflächen von Massivholzträgern ist in der Regel nach Vorreinigung mit einem HEPA-Sauger durch mechanischen Abtrag (Hobeln, Schleifen, Strahlen) entfernbar. Gegebenenfalls kann eine chemische Vor- oder Nachbearbeitung der Flächen vorgenommen werden.

Häufig werden für die Oberflächenbehandlung Desinfektionsmaßnahmen mit Peroxidlösungen oder Alkohol im Fogging-Verfahren als Schnellmaßnahmen durchgeführt. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass derartige Desinfektionen lediglich zu einem Stopp des Schimmelpilzwachstums führen, aber den Befall selbst nicht beseitigen können. Da auch ein eingetrockneter oder desinfizierter Altbefall zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann und durch abtötende Maßnahmen allein sich kein üblicher Lieferzustand von Neubauten herstellen lässt, reichen diese Maßnahmen bei stärkerem Befall in der Regel nicht aus. Anders dagegen funktionieren stärker reaktive Präparate, die nach vorheriger Feinreinigung oft schon nach der Anwendung eine weitgehende Auflösung und Zerstörung der Myzelstrukturen und Sporen des Befalls bewirken können. Die Nachkontrolle durch Direktmikroskopie und mit Nährböden zeigt bei sachgerechter Ausführung dann eine nahezu vollständige Normalisierung der Oberflächen und Raumluftqualität, sodass sich die mechanische Bearbeitung deutlich minimieren lässt. Dies ist insbesondere unter dem Aspekt der starken Staub- und Sporenfreisetzung bei mechanischer Bearbeitung und des hohen Arbeitsaufwandes sinnvoll. Die Oberflächenbearbeitung als Sanierungsmethode ist jedoch nur einsetzbar, wenn der Befall nicht in tiefere Materialschichten eingedrungen ist. Die Eindringtiefe von Schimmel in Vollholzmaterial beträgt meist nur wenige Millimeter. In Holzfaserplatten, wie OSB, Presspan o.a. kann das Pilzmyzel die Platten teilweise vollständig durchdringen und ist dann durch chemische Oberflächenbearbeitung nicht mehr wirksam zurückzuführen. Der Schwerpunkt des Befalls liegt meist an den Plattenstößen und kühleren Außenecken. Die Eindringtiefe des Befalls muss vor Festlegen der Sanierungsverfahren durch Bohrkernentnahme und Schichtanalyse abzuklären.

Holzfasermaterialien, wie OSB-Platten, Spanplatten, Weichfaserplatten, aber auch Schalbretter sind häufig beidseitig besiedelt. Die Eindringtiefen des Befalls sind oftmals so hoch, dass ein Austausch nicht vermieden werden kann.

Die Arbeitsbereiche der Schimmelpilzsanierung müssen wie in den Leitfäden des UBA und der BGI-DGUV beschrieben durch Folienabschottungen mit Zugangsbereichen gesichert werden. Die Luft muss bei Staub-und Sporenfreisetzung durch Luftreiniger oder technische Belüftungseinrichtungen gefiltert werden. Abschließend sind eine Sichtkontrolle sowie eine messtechnische Untersuchung und Freigabe der Dachkonstruktionen und der darunter befindlichen feingereinigten Wohnräume erforderlich.

Bei den holzzerstörenden Pilzen sieht die Sanierung nach DIN 68800 den Ausbau der befallenen Holzoberflächen mit einem Sicherheitsabstand von 30 cm vor. Wenn eine spätere Wiederanfeuchtung sicher ausgeschlossen werden kann, ist es möglich, in Abstimmung zwischen Bauherrn, Planer und ausführender Firma die befallenen Oberflächen abzutragen und die angrenzenden Flächen zu imprägnieren. Erfahrungen zeigen, dass bei der Nachimprägnierung von Holzträgern auf Baustellen oft nicht die geforderten Wirkstoffkonzentrationen erreicht werden.

 

Dipl.-Ing. René Fuchs

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der IHK

„Schimmelpilze und Schadstoffe in Innenräumen“

Niederlassungen: Wiesbaden – Berlin - Hamburg

 

Weitere ähnliche Infoblätter:

http://www.schimmelpilze-schadstoffe.de/schimmel-im-neubau-schaeden/

http://www.schimmelpilze-schadstoffe.de/schimmelpilz-sanierung/

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