Anforderungen an sachgerechte Schimmelpilzsanierungen

Fachbeitrag Dipl.-Ing. René Fuchs ö.b.u.v. der IHK IGU Ingenieurbüro Gesundheit + Umwelt 2017

 

IGU-Niederlassungen:

Wiesbaden Tel.: 0611-3334633, Berlin Tel.: 030-588 53 719, Hamburg: 040 - 67529159

Aktuelle Vorgaben UBA, WTA, BG Bau für Schimmelsanierungen

Seit Veröffentlichung der beiden Schimmelpilz-Leitfäden des Umweltbundesamtes 2002 (Schimmelpilz-Leitfaden und 2005 (Schimmelpilz-Sanierungs-Leitfaden) sind die Ziele und Abläufe von Schimmelpilzsanierungen klar formuliert. Diese UBA-Leitfäden haben zwar keinen Gesetzescharakter, sind jedoch durch die Rechtsprechung im Grundsatz bestätigt worden und gelten als inzwischen als anerkannter Stand der Technik. Ende 2016 ist der Entwurf eines neuen Schimmelpilz-Leitfadens veröffentlicht worden, der einige Abweichungen und Konkretisierungen aufweist.

Geblieben ist, dass große Schimmelpilzschäden nach Schimmelpilzleitfaden in die höchste Schadenskategorie „3“ einzuordnen und damit fachgerecht von hierauf spezialisierten Firmen zu sanieren sind:

„große Biomasse; große flächige Ausdehnung  > 0,5 qm, auch tiefere Schichten können betroffen sein“. Eine Besiedlung mit kritischen Keimen, wie Stachybotrys und Chaetomium kann auch bei kleinen Flächen zu einer Hochstufung führen.“

Nach heutigem Kenntnisstand kann nicht abschließend festgestellt werden, welche Bestandteile des mikrobiellen Befalls für gesundheitliche Wirkungen verantwortlich sind , aber Studien zeigen besonders bei Allergikern oder Asthmatikern eine deutliche Symptomverschlechterung bei Aufenthalt in Innenräumen mit mikrobiellen Schäden.

Auch nach dem neuen UBA-Schimmelpilzleitfaden 2016 und dem der damit korrespondierenden WTA- Richtlinie („Ziele und Kontrolle von Schimmelpilzschadensanierungen in Innenräumen“ Merkblatt 4-12 aus 2016) sollten befallene Materialien in der Regel zur Herstellung eines Normalzustanden und unter dem Aspekt der Vorsorge ausgebaut und die freigewordenen Kontaminationen (Sporen, Fragmente, Stoffwechselprodukte) durch eine abschließende Feinreinigung entfernt werden.

Befallsrisiken und mögliche Folgen unsachgemäßer Sanierung


Es kann als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass bei länger anhaltenden Feuchteschäden auch auf biologisch beständigeren Materialien, wie Styropor-Trittschalldämmungen oder Putzen, ein Befall mit Schimmelpilzen und Bakterien entstehen kann. Geringeres Befallsrisiko weisen Polyurethanhartschaum-Dämmungen auf. Hier dominieren meist Bakterien. Weitaus höher ist das Befallsrisiko bei organischen Materialien, wie Kartonschichten von Leichtbauplatten (Gipskarton), Fermazell- oder Pressspanplatten. Hier reicht oft eine kurze Feuchtigkeitseinwirkungen für eine deutliche Befallsentwicklung.

Auf sehr feuchten zellstoffhaltigen Schichten wie in Fertighäusern, Holzhäusern, Dachkonstruktionen können sich gesundheitlich kritische Schimmelpilze, wie Stachybotrys oder Chaetomium bilden. Neben einer Keimbelastung können auch starke Geruchsbelastungen durch MVOC oder Abspaltungsprodukte aus den Baumaterialien möglich sein.

Da auch eingetrocknete oder desinfizierte mikrobielle Schäden können zu gesundheitlichen Effekten und sind als Abweichung vom „Normalzustand“ in der Regel mindestens in rechtlicher Hinsicht als mangelhaft einzustufen. Daher wird sowohl vom Umweltbundesamt als auch im WTA-Merkblatt darauf hingewiesen, dass bei starkem Befall eine Trocknung und Desinfektion keine ausreichende Sanierung ist. Über die Eingriffsschwellen für die Demontage von Fußbodenaufbauten wird in einem gesonderten IGU-Infoblatt informiert.

Eine nicht sachgerechte Sanierung ist stets mit dem Risiko von hohen Mehrkosten durch erneuten Auszug der Nutzer, Wiederholung von Sanierungsschritten, eventuellen finanziellen Nachforderungen und langwierigen Rechtsstreiten verbunden.

Erstmaßnahmen und Ermitteln Schadensumfang


Bei Bemerken oder Verdacht von Feuchte- und Schimmelschäden sollten die Ursachen ermittelt und abgestellt werden. Im Fall von Leitungsleckagen kann die zuständige Gebäudeversicherung eingeschaltet werden, die dann in der Regel eine Firma mit der Leckageortung beauftragen wird. Bei Verdacht einer Schädigung von Mobiliar muss auch die Hausratversicherung informiert werden. Falls bei neuen Gebäuden innerhalb der Gewährleistungsfrist, in Neubauten oder bei Umbauten Schäden auftreten, kann ggf. die Berufshaftpflicht der verantwortlichen Firma bei der Schadensregulierung in Anspruch genommen werden. Hierzu, sind die Verursacher fristgerecht und mit ausführlicher Dokumentation schriftlich über das Schadensereignis zu informieren. Zu Schimmelschäden in Neubauten informiert ein weiteres IGU-Infoblatt.

Vor einer Schimmelpilz-Sanierung muß immer die vollständige Erfassung und das Abstellen der Schadensursache sowie die Abgrenzung des Schadensumfangs vorausgehen. Mit einer schnellen mit technischen Trocknungsmaßnahmen kann das Schadensrisiko oft minimiert, um eine Stabilisierung der Situation herbeigeführt werden. Bei Schimmelpilzverdacht sollte hierbei immer eine Saugtrocknung bzw. Saug-Druck-Trocknung mit Abluftfilterung eingesetzt werden.

Nach Vorliegen von Schnellanalysen, wie z.B. Folienkontakt oder Gesamtzellzahlbestimmung (Analyse in der Regel 2-3 Tage) kann durch das Fachunternehmen, den Schadensregulierer oder Sachverständigen eine Festlegung der des Sanierungsumfangs erfolgen.

Das Umweltbundesamt definiert im Anhang zum neuen Schimmelpilz-Leitfaden für unterschiedliche Raumtypen nutzungsabhängige Nutzungsklassen. Hieraus ergeben sich für Räume der Nutzungsklassen I (z.B. Großküchen, Arztpraxen o.ä.) und II (Aufenthaltsräume) die vorgenannten normalen oder angepassten Vorgehensweisen bei der Schimmelpilzsanierung.

Für die Räume der Nutzungsklassen III (Abstellräume) oder IV (luftdicht abgeschlossene Hohlräume in der Bausubstanz Dach, Keller, Fassade) kann sich eine geringere Sanierungsdringlichkeit ergeben oder wenn ganz sicher ausgeschlossen werden kann, das Luftkontakt zu Wohnräumen vorliegt auch sachgerechte Abschottungsmaßnahmen der trockenen und stabilisierten Materialien ausreichend sein.

Hierbei ist jedoch immer zu beachten, dass der Leitfaden des Umweltbundesamtes nur eine hygienische Bewertung vornimmt und aus rechtlicher Sicht z.B. bei Wasserschäden oder Neubauschäden trotzdem die Wiederherstellung eines mangelfreien Vorschadenszustandes gefordert sein kann, für den eine Abschottung nicht ausreicht.

Vorgehensweise bei Sicherung und Sanierung

Die wichtigste, schnellste und wirkungsvollste Maßnahme bei Entdecken von Feuchteschäden mit Schimmelpilzverdacht ist die Anbringung von staubdichten Folienabklebungen zur Abschottung des Sanierungsbereiches von den übrigen Gebäudebereichen. Wird diese Erstmaßnahme nicht vorgenommen, kann es bei den weiteren Trocknungs- und Bearbeitungsschritten leicht zu Sporenverfrachtungen und einer Vervielfachung des Reinigungsaufwandes kommen, insbesondere, wenn offene Treppenhäuservorhanden sind, über die Luft durch den Kamineffekt über mehrere Geschosse verteilt werden kann.

Die Ausführung der Schutzmaßnahmen und Demontagearbeiten sollte von einer sachkundigen Fachfirma unter Einhaltung der Vorgaben der DGUV 201-028 „Handlungsanleitung Gesundheitsgefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung“ (BG Bau 2016) ausgeführt werden.

Nach der Demontage der befallenen Materialien empfiehlt sich eine Sichtkontrolle durch einen Fachmann, ob alle mikrobiell geschädigten Materialien ausgebaut wurden. Erst wenn die Demontage vollständig war, schließen sich eine Feinreinigungsschritte an.

Hierbei werden die Oberflächen mit Feinstaubsaugern (H12/13) und Waschlösungen gereinigt, die Raumluft wird begleitend technisch gefiltert oder abgeführt, um alle schadensbedingten Sporenbeaufschlagungen zu entfernen. Ziel sollte hierbei eine weitgehende Normalisierung der Sporenkonzentrationen vor Beginn der Wiederherstellungsarbeiten und Malerarbeiten sein. Es gilt der Grundsatz, dass eine gründliche Reinigung erfolgversprechender ist als das schnelle Versprühen von Desinfektionsmittel (Fogging). Die Sporen und Fragmente müssen unabhängig davon, ob sie abgetötet wurden, weggereinigt werden. Fogging ist nur sinnvoll in Verbindung mit der anschließenden Feuchtreinigung.

Kontrolle und Dokumentation des Sanierungserfolges

Bei größeren Schimmelpilzschäden empfiehlt es sich die Maßnahmen ingenieurmäßig begleiten und dokumentieren zu lassen muss der Sanierungserfolg messtechnisch überprüft und dokumentiert werden. Der Bericht zur abschließenden Messung der Raumluft und der Oberflächen im Sanierungsbereich ist die Freigabe-Dokumentation für die ausführende Sanierungsfirma und Start für die Wiederherstellungsarbeiten.

Der zuvor zitierte Leitfaden empfiehlt, vor Wiederherstellung und Wiedereinrichtung der Räume den abschließenden Sanierungserfolg durch Sichtkontrollen und Kontrollmessungen überprüfen zu lassen. Die Abschottungen sollten bis zum Nachweis einer erfolgreichen Sanierung stehen bleiben, da im Falle eines vorzeitigen Abbaus der Schutzeinrichtungen die Gefahr einer Sporenverfrachtung gegeben ist. Die Messvorschriften und Richtwerte sind im WTA-Merkblatt dargestellt.

Insbesondere wenn mit desinfizierenden Präparaten gearbeitet wurde ist es sinnvoll, diese Messungen nicht nur mit Nährböden vorzunehmen, da die Keimfähigkeit durch die chemische Behandlung eingeschränkt sein kann und falsch negative Ergebnisse gemessen werden. Eine zusätzliche Beprobung mit Objektträger (Partikelsammlung auf Holbachobjektträger) und Folienkontakte von Oberflächen erfassen auch abgetötete oder eingetrocknete Altschäden. Eine Kombination verschiedener Prüfmethoden erhöht sich Aussagefähigkeit der Messungen. Nur auf MVOC-Messungen sollte bei der Sanierungskontrolle verzichtet werden, weil die Konzentrationen der mikrobiellen Stoffwechselprodukte oft auch nach Sanierungen längere Zeit erhöht bleiben.

Bei Nichteinhaltung der Richtwerte sind die angrenzenden Materialien bezüglich Befallsresten zu analysieren beziehungsweise ist die Feinreinigung zu wiederholen.

Die Kontrolluntersuchung bringt für die Nutzer und Eigentümer von Gebäuden die Sicherheit nach Abschluss der Maßnahmen nun vollständig sanierte und gesundheitlich unbedenkliche Räume zu übernehmen.

Dipl.-Ing. René Fuchs

 

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der IHK

„Schimmelpilze und Schadstoffe in Innenräumen“

Niederlassungen: Hamburg – Berlin - Wiesbaden

Weitere ähnliche Infoblätter:

http://www.schimmelpilze-schadstoffe.de/schimmel-im-dachstuhl/

http://www.schimmelpilze-schadstoffe.de/schimmel-im-neubau-schaeden/

Zuletzt angesehen