Schimmelpilz-Sanierung

Stand der Dinge

Im Gegensatz zu früheren Feuchte- und Schimmelsanierungen existieren heute verbindliche Vorgaben für die Anforderungen an die sachgerechte Ausführung.

Mit der Veröffentlichung der beiden Schimmelpilz-Leitfäden des Umweltbundesamtes 2003 und 2005 wurden die Grundlagen gelegt. Diese UBA-Leitfäden haben zwar keinen Gesetzescharakter, sind jedoch durch die Rechtsprechung im Grundsatz bestätigt worden und gelten als inzwischen als anerkannter Stand der Technik. Die Vorgaben der Berufsgenossenschaft Bau BGI 858: „Gesundheitsgefährdung durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung“ sind in jedem Fall einzuhalten. Bei großen Befallsflächen und längeren Arbeitszeiten ist eine Einstufung in die höchste Gefährdungsklasse 3 erforderlich.

Schimmelpilz-Sanierung

Schimmelpilz-Sanierung      Schimmelpilz-Sanierung

Großen Schäden gemäß dem Schimmelpilzleitfaden des Umweltbundesamtes  sind die in die höchste Schadenskategorie „3“ einzuordnen: „große Biomasse; große flächige Ausdehnung  > 0,5 qm, auch tiefere Schichten können betroffen sein“. Eine Besiedlung mit kritischen Keimen, wie Stachybotrys und Chaetomium kann auch bei kleinen Flächen zu einer Hochstufung führen.

Der Schimmelpilz-Leitfaden des Umweltbundesamtes formuliert bezüglich Gesundheitsgefährdungen durch Schimmelpilze:

 

„Die Feststellung einer Schimmelpilzquelle im Innenraum ist nicht gleichzusetzen mit einer akuten Gesundheitsgefährdung der Raumnutzer. Das Ausmaß der Gesundheitsgefährdung ist abhängig von der Art des Schadens und der Empfindlichkeit der Raumnutzer und kann im Einzelfall aufgrund fehlender wissenschaftlicher Daten meist nicht genau quantifiziert werden.…

Ergibt die Beurteilung, dass eine Schimmelpilzquelle im Innenraum vorliegt, sollte daher eine Sanierung erfolgen. Schimmelpilzquellen im Innenraum sind aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes zu beseitigen.“

 (Abschnitt C-2 Schimmelpilzleitfaden UBA 2002)

 

Befallsrisiken und mögliche Folgen unsachgemäßer Sanierung
Es kann als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass bei länger anhaltenden Leckageschäden auch auf biologisch beständigeren Materialien, wie Styropor-Trittschalldämmungen oder Gipsputzen, ein Befall mit Schimmelpilzen und Bakterien entsteht. Geringeres Befallsrisiko weisen Polyurethanhartschaum-Dämmungen auf. Hier dominieren meist Bakterien. Weitaus höher ist das Befallsrisiko bei organischen Materialien, wie Kartonschichten von Leichtbauplatten (Gipskarton), Fermazell- oder Pressspanplatten. Hier reicht oft eine kurze Feuchtigkeitseinwirkungen für eine deutliche Befallsentwicklung.

Auf sehr feuchten zellstoffhaltigen Schichten können sich gesundheitlich kritische Schimmelpilze, wie Stachybotrys oder Chaetomium bilden. Bei Abwasser- und Fäkalwasserschäden ist durch den zusätzlichen Eintrag von Nährstoffen und Keimen in die Bauteile ebenfalls ein hohes Befallsrisiko vorhanden. Neben einer Fäkalkeimbelastung können auch starke Geruchsbelastungen möglich sein.

Da auch eingetrocknete oder desinfizierte mikrobielle Schäden zu gesundheitlichen Effekten führen können, sollte sich bei starkem Befall die Sanierung nicht auf Trocknung und Desinfektion beschränken. Über die Eingriffsschwellen für die Demontage von Fußbodenaufbauten wird in einem gesonderten Infoblatt informiert.

Eine nicht sachgerechte Sanierung ist stets mit dem Risiko von hohen Mehrkosten durch Auszug der Nutzer, Wiederholung von Sanierungsschritten, eventuellen finanziellen Nachforderungen und langwierigen Rechtsstreiten verbunden.

Ablauf einer sachgerechten Sanierung
Bei Bemerken oder Verdacht von Leckageschäden sollte die zuständige Gebäudeversicherung eingeschaltet werden, die dann in der Regel eine Firma mit der leckageortung beauftragen wird. Bei Verdacht einer Schädigung von Mobiliar muss auch die Hausratversicherung informiert werden. Falls bei Neubauten oder Umbauten noch Ansprüche an ausführende Firmen gestellt werden können, sind auch diese schriftlich über das Schadensereignis zu informieren. Zu Schimmelschäden in Neubauten informiert ein weiteres Infoblatt.

Vor einer Schimmelpilz-Sanierung muss immer die vollständige Erfassung und das Abstellen der Schadensursache sowie die Abgrenzung des Schadensumfangs vorausgehen. Dies wird von speziell ausgebildeten und ausgerüsteten Leckageortungsfirmen, die oft auch über Trocknungs- und Sanierungskompetenz und –technik verfügen ausgeführt.

Mit einer schnellen mit technischen Trocknungsmaßnahmen kann das Schadensrisiko minimiert, um eine Stabilisierung der Situation herbeigeführt werden. Bei Schimmelpilzverdacht sollte hierbei immer eine Saugtrocknung bzw. Saug-Druck-Trocknung mit Abluftfilterung eingesetzt werden.

Nach Vorliegen von Schnellanalysen, wie z.B. ATP-Messungen oder Gesamtzellzahlbestimmung (in der Regel 2-3 Tage) kann durch das Fachunternehmen, den Schadensregulierer oder Sachverständigen eine Festlegung der des Sanierungsumfangs erfolgen.

Vorgehensweise bei Sicherung und Sanierung
Die wichtigste, schnellste und wirkungsvollste Maßnahme bei Entdecken von Feuchteschäden mit Schimmelpilzverdacht ist die Anbringung von staubdichten Folienabklebungen zur Abschottung des Sanierungsbereiches von den übrigen Gebäudebereichen. Wird diese Erstmaßnahme nicht vorgenommen, kann es bei den weiteren Trocknungs- und Bearbeitungsschritten leicht zu Sporenverfrachtungen und einer Vervielfachung des Reinigungsaufwandes kommen, insbesondere, wenn offene Treppenhäuser vorhanden sind.

Die Ausführung der Schutzmaßnahmen und Demontagearbeiten sollte von einer sachkundigen Fachfirma vorgenommen werden, die über die technische Ausrüstung und Erfahrungen bei Schimmelpilzsanierung verfügt und im besten Fall Sachkundeprüfungen vorweisen kann.

Nach der Demontage der befallenen Materialien empfiehlt sich eine Sichtkontrolle durch einen Fachmann, ob alle mikrobiell geschädigten Materialien ausgebaut wurden. Erst wenn die Demontage vollständig war, schließen sich eine Feinreinigungsschritte an.

Hierbei werden die Oberflächen mit Feinstaubsaugern (H12/13) und Waschlösungen gereinigt, die Raumluft wird begleitend technisch gefiltert oder abgeführt, um alle schadensbedingten Sporenbeaufschlagungen zu entfernen. Ziel sollte hierbei eine weitgehende Normalisierung der Sporenkonzentrationen vor Rückbau und malermäßiger Wiederherstellung sein. Es gilt der Grundsatz, dass eine gründliche Reinigung erfolgversprechender ist als das schnelle Versprühen (Fogging) von Desinfektionsmittel. Die Sporen und Fragmente müssen unabhängig davon, ob sie abgetötet wurden, weggereinigt werden. Fogging ist nur sinnvoll in Verbindung mit der anschließenden Feuchtreinigung.

Kontrolle und Dokumentation des Sanierungserfolges
Bei größeren Schimmelpilzschäden muss der Sanierungserfolg messtechnisch überprüft und dokumentiert werden. Der Bericht zur abschließenden Messung der Raumluft und der Oberflächen im Sanierungsbereich ist die Freigabe-Dokumentation für die ausführende Sanierungsfirma und Start für die Wiederherstellungsarbeiten.

Insbesondere wenn mit desinfizierenden Präparaten gearbeitet wurde ist es sinnvoll, diese Messungen nicht nur mit Nährböden vorzunehmen, da die Keimfähigkeit durch die chemische Behandlung eingeschränkt sein kann und falsch negative Ergebnisse gemessen werden. Eine zusätzliche Beprobung mit Objektträger (Partikelsammlung auf Holbachobjektträger) und Folienkontakte von Oberflächen erfassen auch abgetötete oder eingetrocknete Altschäden. Eine Kombination verschiedener Prüfmethoden erhöht sich Aussagefähigkeit der Messungen. Nur auf MVOC-Messungen sollte bei der Sanierungskontrolle verzichtet werden, weil die Konzentrationen der mikrobiellen Stoffwechselprodukte oft auch nach Sanierungen längere Zeit erhöht bleiben.

Der zuvor zitierte Leitfaden empfiehlt, vor Wiederherstellung und Wiedereinrichtung der Räume den abschließenden Sanierungserfolg durch Kontrollmessungen überprüfen zu lassen. Die Abschottungen sollten bis zum Nachweis einer erfolgreichen Sanierung stehen bleiben, da im Falle eines vorzeitigen Abbaus der Schutzeinrichtungen die Gefahr einer Sporenverfrachtung gegeben ist.

 

Die Kontrolluntersuchung bringt für die Nutzer und Eigentümer von Gebäuden die Sicherheit nach Abschluss der Maßnahmen nun vollständig sanierte und gesundheitlich unbedenkliche Räume zu übernehmen.

 

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