Mikrobieller Befall in Archiven und Magazinen

In Archiven, Magazinen und Aktenlagern kann es unter ungünstigen Lagerbedingungen oder nach Wasserschadensereignissen (Hochwasser, Leitungswasserschäden) schnell zu mikrobiellen Schäden an den eingelagerten Akten oder anderem Lagergut kommen. Die Kombination aus Feuchte und gut zu besiedelnden Materialien, wie Papier, Holz oder Staubablagerungen kann zu gesundheitlich relevantem Befall führen, die nicht immer leicht zu erkennen sind. Neben sichtbarem Schimmelpilzbefall kann es auch zur Besiedlung mit Bakterien, Staub- und Vorratsmilben und Insekten kommen.

Nachfolgend sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen, das Vorgehen bei festgestellten Schäden sowie Präventionsmaßnahmen in einer kurzen Übersicht dargestellt werden.

Rechtliche Rahmenbedingungen

In Deutschland enthalten die Biostoffverordnung (letzte Fassung 2013: BGBl. I S. 2514) sowie die TRBA 240 (2010/2015) mit den konkreten Umsetzungen der Vorgaben der BioStoffV für die Tätigkeiten mit mikrobiell kontaminiertem Archivgut die juristisch verbindlichen Vorgaben zum Schutz der Beschäftigten, unabhängig davon, ob es sich um öffentliche Träger, Gerichte, Museen oder privatrechtliche Archive von Firmen handelt.

Gemäß § 5 Arbeisschutzgesetz sowie §§ 4, 6 der BiostoffVO sollte grundsätzlich eine Gefährdungsbeurteilung für die Arbeit in Archiven und sollte routinemäßig eine Überprüfung des mikrobiologischen Status vorgenommen werden. Es ist eine Unterweisung des Personals für die nicht gezielte Tätigkeit in ggf. mit biologischen Gefahrstoffen kontaminierten Bereichen erforderlich und falls mikrobielle Schäden vorhanden sind, ist nach TRBA 460 eine Bestimmung der Schimmelpilzgattungen zwecks Gefährdungsbeurteilung erforderlich (Anhang 2 BioStoffV).

Nach TRBA 240 (2010) wird in der Wirkung wie folgt unterschieden:

Nicht baurechtlich verbindlich aber allgemein anerkannter Stand der Technik sind die Schimmelpilz-Leitfäden des Umweltbundesamtes (UBA) zur Bewertung und Sanierung von Schimmelpilz- und Bakterienschäden. Bei Befallsflächen auf Archivgut, Regalen oder Wandbereichen die in ihrer Gesamtheit größer als 0,5 m² sind erfolgt eine Einstufung in die höchste Schadenskategorie „3“ gemäß Schimmelpilzleitfaden des Umweltbundesamtes. Bei Schäden dieser Größenordnung empfiehlt der Leitfaden kurzfristige Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen durch eine Fachfirma.

Das hat in der Regel zur Folge, dass die betroffenen Archivräume nicht mehr ohne weitergehende Schutzmaßnahmen (Arbeitskittel, Staubschutzmaske P2) betreten werden können und das befallene Material bis zur Sanierung nicht in andere Gebäudebereiche ausgelagert werden darf, somit auch nicht zur Herstellung von Kopien oder für andere Nutzung zur Verfügung steht.

Das Umweltbundesamt formuliert Abschnitt C-2 des Schimmelpilzleitfaden:

„Ergibt die Beurteilung, dass eine Schimmelpilzquelle im Innenraum vorliegt, sollte daher eine Sanierung erfolgen. Schimmelpilzquellen im Innenraum sind aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes zu beseitigen.“ (UBA 2002)

Feststellen von mikrobiellem Befall und Sanierungsmaßnahmen

Da die Befallsvoraussetzungen mit zeitweise erhöhten Luftfeuchte, saisonal schwankende Raumklimabedingungen, das Vorhandensein guter Nährböden durch starke Staubsedimentation und Papiermaterialien in vielen älteren Archivräumen eher die Regel als die Ausnahme sind kommt es häufiger zu mikrobiellen Schäden, wobei Kondenswasserkeime wie Penicillium, Aspergillus, Cladosporium, Alternaria häufig dominieren. Für den Nutzer zeigen sich dann auf den Materialoberflächen unterschiedlich farbige Kolonien oder weißliche Gespinste, oft einhergehend mit modrig-pilzigen Kellergerüchen. Insbesondere Allergiker und Asthmatiker können bei längerem Aufenthalt dann über gesundheitliche Effekte, wie Schleimhautreizungen oder Symptomverschlechterungen klagen.

Die Abklärung der Art der mikrobiellen Schäden, der Beaufschlagungen auf nicht sichtbar befallenen Archivalien mit nicht mit bloßem Auge feststellbaren Sporensedimentationen oder die Ermittlung der Raumluftbelastung ist wie die Festlegung der Schutz- und Sanierungsmaßnahmen Aufgabe eines entsprechenden Fachgutachters, wie unser Ingenieurbüro Gesundheit+Umwelt.

In der Regel wird nach Messung der Oberflächen und Raumluft mit den Nutzern ein angepasstes Schutzkonzept erarbeitet, wie der Zeitraum bis zu den abschließenden Sanierungsmaßnahmen ein sicherer Zugang zu den Materialien gewährleistet werden kann.

Bei der Sanierung kann anders als bei normalen Schimmelpilzsanierungen im Gebäudebereich, das verschimmelte Material nicht sachgerecht ausgebaut und entsorgt werden, sondern es können lediglich verschimmelte Verpackungen, wie Aktenordner oder Kartonagen entsorgt werden. Durch angepasste chemische oder physikalische Desinfektionsmaßnahmen kann der Befall und damit die weitere Materialschädigung gestoppt werden. Die gesundheitliche Gefährdung wird durch Desinfektionen nicht beseitigt, denn auch desinfizierter oder eingetrockneter Befall kann zu Reizungen oder allergischen Effekten führen. Zusätzlich müssen daher Feinreinigungsmaßnahmen auf den Oberflächen durchgeführt werden (Absaugen mit HEPA-Sauger, feuchtes Nachwischen). Auf persönliche Schutzmaßnahmen kann nur verzichtet werden, wenn die Befallsanteile (Sporen, Gerüche und Fragmente) vollständig entfernt wurden. Ansonsten sind separate Arbeitsbereiche für restkontaminiertes Material oder Kopien der Akten vorzunehmen und die Originale sicher und trocken zu verwahren.

Die entsprechenden Schutzmaßnahmen gemäß BiostoffVO und TRBA 400 und TRBA 500 sowie BGI 858 sind beim Auslagern/ Bearbeiten von befallenen Materialien sowie bei der sachgerechten Oberflächenreinigung einzuhalten.

Zitat Schimmelpilzleitfaden des Umweltbundesamtes 2002, Punkt 6, S. 52:

„Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten muss der Erfolg der Sanierung kontrolliert und dokumentiert werden.“

Es sind Zwischen- und Erfolgskontrollen nach den einzelnen Sanierungsschritten vorzunehmen Hier empfiehlt sich eine zweistufige Abnahme:

1. eine Sichtkontrolle, ggf. mit Folienkontakt- und Materialproben nach Beendigung der Bearbeitung der Befallsflächen

2. eine messtechnische Untersuchung von Raumluft- und Oberflächenkonzentrationen nach Abschluss der Reinigungsmaßnahmen.

Vorsorgemaßnahmen gegen Befall in Archiven

Archivräume sind wegen der Anfälligkeit des eingelagerten Material unter diesen Aspekten auszuwählen und gehören nicht in die ohnehin feuchtekritischen Bereiche, wie ungedämmte Dachböden oder Kellerräume von historischen Gebäuden, weil hier starke saisonale Luftfeuchteschankungen schnell zu Schäden führen können, auf Dachböden in den Wintermonaten, in Kellerräumen in den Sommermonaten. Die Raumlufttemperaturen sollten gleichmäßig bei etwa 18°C liegen, die relative Feuchte um 50%. Es sollte kein direkter Luftkontakt zu wärmeren oder feuchten Bereichen vorliegen. Statt mechanischer Lüftungen sollten Anlagen mit hygrostatgesteuerter Feuchtesteuerung, Klimageräte mit Entfeuchtung oder technische Entfeuchtungsgeräte eingesetzt werden.

In Archiven sollten möglichst keine Dauerarbeitsplätze aufgebaut werden. Die Einrichtung sollte eine regelmäßige Reinigung und gleichmäßige Belüftung ermöglichen. Eingehende Gegenstände und Akten sollten von den Beschäftigten gleich auf sichtbare Schimmel- oder Feuchteschäden geprüft und wenn bei auffälligen Befunden separat eingelagert werden.

Es sollte für eine regelmäßige Reinigung der Archivräume mit HEPA-Saugern oder Abwischen gesorgt werden. Die Reinigung von kontaminierten Archivräumen ist eine Sanierungsaufgabe, die von Fachfirmen unter besonderen Schutzmaßnahmen mit hierfür ausgerüsteter Gerätetechnik vorzunehmen ist.

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