Mikrobieller Befall in Archiven, Aktenlagern und Museen

In Archiven, Magazinen, Aktenlagern und Lagerräumen von Museen kann es unter ungünstigen Raumklimabedingungen oder nach Wasserschadensereignissen (Hochwasser, Leitungswasserschäden) schnell zu mikrobiellen Schäden an den eingelagerten Akten, Ordnern, Kartons, Kunstwerken oder anderem Lagergut kommen. Die Kombination aus anhaltender Luftfeuchte und gut zu besiedelnden Materialien, wie Papier, Holz und die durch unregelmäßige Lagerung entstandenen Staubablagerungen bieten gute Wachstumsbedingungen. Beim Arbeiten in diesen Räumen und an den verschimmelten Gegenständen kann es bei den Nutzern zu gesundheitlich Effekten kommen, insbesondere bei Allergiker oder Asthmatiker. Typische Symptome sind dann häufig Fließschnupfen, Schleimhautreizungen der Augen, Nase und der Atemwege, die nach Verlassen der Räume wieder abklingen.

Welche Materialien in Aktenlagern, Archiven und Museen können verschimmeln?

Hauptangriffsflächen mikrobiologischen Befalls in Aktenlagern sind die Ordnerdeckel mit ihren verstaubten Papierschichten, selten und eher nur bei direkter Wassereinwirkung auch die Ordnerinhalte. Leicht verschimmeln können auch Kartons, in Museen können die Holzrahmen von Bildern, die Bilderrückseite, Holzfaserplatten als Träger der Exponate aber auch die Firnis auf den Bildern selbst von Schimmelpilzen befallen werden.

Neben sichtbarem Schimmelpilzbefall kann es zusätzlich zur auch Besiedlung mit Bakterien, Staub- und Vorratsmilben und Insekten kommen. Für das ungeübte Auge ist Schimmelpilzbefall durch Kondensation wegen der einzelnen, nicht immer angefärbten Kolonien oft schwierig zu erkennen.

Nachfolgend sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen, das Vorgehen bei festgestellten Schäden sowie Präventionsmaßnahmen in einer kurzen Übersicht dargestellt werden.

Rechtliche Rahmenbedingungen

In Deutschland enthält die Biostoffverordnung (letzte Fassung 2013: BGBl. I S. 2514) sowie die TRBA 240 (2010/2015) mit den konkreten Umsetzungen der Vorgaben der BioStoffV für die Tätigkeiten mit mikrobiell kontaminiertem Archivgut die juristisch verbindlichen Vorgaben zum Schutz der Beschäftigten, unabhängig davon, ob es sich um öffentliche Träger, Gerichtsarchive, Museen oder privatrechtliche Archive von Firmen handelt.

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz sowie §§ 4, 6 der BiostoffVO sollte grundsätzlich eine Gefährdungsbeurteilung für die Arbeit in Archiven und routinemäßig eine Überprüfung des mikrobiologischen Status (Archivalien, Raumluft) vorgenommen werden. Es ist eine Unterweisung des Personals für die nicht gezielte Tätigkeit in ggf. mit biologischen Gefahrstoffen kontaminierten Bereichen erforderlich und falls mikrobielle Schäden vorhanden sind, ist nach TRBA 460 eine Bestimmung der Schimmelpilzgattungen zwecks Gefährdungsbeurteilung erforderlich (Anhang 2 BioStoffV).

Nach TRBA 240 (2010) wird in der Wirkung wie folgt unterschieden:

Nicht baurechtlich verbindlich aber allgemein anerkannter Stand der Technik sind die Schimmelpilz-Leitfäden des Umweltbundesamtes (UBA), letzte Fassung November 2017, zur Bewertung und Sanierung von Schimmelpilz- und Bakterienschäden. Bei Befallsflächen auf Archivgut, Regalen oder Wandbereichen die größer als 0,5 m² sind erfolgt eine Einstufung in die höchste Schadenskategorie „3“ gemäß Schimmelpilzleitfaden des Umweltbundesamtes. Bei Schäden dieser Größenordnung empfiehlt der UBA-Leitfaden kurzfristige Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen durch eine Fachfirma.

Abhängig von den Befunden kann es bei festgestellten mikrobiologischen Beaufschlagungen zur Folge haben, dass die betroffenen Archivräume nicht mehr ohne weitergehende Schutzmaßnahmen (Arbeitskittel, Staubschutzmaske P2) betreten werden können und vor allem das befallene Material bis zur Reinigung/Sanierung nicht in andere Gebäudebereiche oder normale Büros ausgelagert werden darf, somit auch nicht zur Herstellung von Kopien oder für andere Nutzung zur Verfügung steht.

Das Umweltbundesamt formuliert Abschnitt C-2 des vorangegangenen Schimmelpilzleitfadens:

„Ergibt die Beurteilung, dass eine Schimmelpilzquelle im Innenraum vorliegt, sollte daher eine Sanierung erfolgen. Schimmelpilzquellen im Innenraum sind aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes zu beseitigen.“ (UBA 2002)

Feststellen von mikrobiellem Befall und Sanierungsmaßnahmen

Da die Befallsvoraussetzungen mit zeitweise erhöhten Luftfeuchte, saisonal schwankende Raumklimabedingungen, das Vorhandensein guter Nährböden durch starke Staubsedimentation und Papiermaterialien in vielen älteren Archivräumen eher die Regel als die Ausnahme sind, kommt es nicht selten zu mikrobiellen Schäden, wobei Kondenswasserkeime wie Penicillium, Aspergillus, Cladosporium, Alternaria auf den eingelagerten Akten oder Materialien häufig dominieren. Für den Nutzer zeigen sich dann auf den Materialoberflächen unterschiedlich farbige Kolonien oder weißliche Gespinste, oft einhergehend mit modrig-pilzigen Kellergerüchen.

Die Abklärung der Art der mikrobiellen Schäden, der Beaufschlagungen auf nicht sichtbar befallenen Archivalien mit nicht mit bloßem Auge feststellbaren Sporensedimentationen oder die Ermittlung der Raumluftbelastung ist wie die Festlegung der Schutz- und Sanierungsmaßnahmen Aufgabe eines entsprechenden Fachgutachters, wie uns.

In der Regel werden nach der Inspektion des Gebäudes und des Archivguts, Feuchtemessungen an Bauteilen und in der Raumluft,  mikrobiologische Proben von Oberflächen und Raumluft genommen und in unseren zertifizierten Partner-Laboren analysiert. Wenn die Keimzusammensetzung und die Stärke der Besiedlung geklärt ist, können zusammen mit dem Auftraggeber und den Nutzern angepasste Maßnahmen zu Reinigung und Nutzung, ggf. ein Schutzkonzept erarbeitet werden, wie der Zeitraum bis zu den abschließenden Sanierungsmaßnahmen ein sicherer Zugang zu den Materialien gewährleistet werden kann.

Sanierungsmaßnahmen in Archiven, Lagern, Museen-

Gebäude und eingelagerte Gegenstände

a)       Schimmelpilzsanierung an Gebäudeoberflächen in Archiven, Aktenlagern und Museen

Eine sachgerechte Sanierung des Gebäudes ist erforderlich, wenn auch an Bauteiloberflächen der Räume Schimmelbesiedlungen oder Sekundärkontaminationen (Sporenablagerungen) aufgetreten sind. Bei Wasserschäden und feuchten Fußbodenaufbauten sind die Vorgaben der Fußboden-Richtlinie des Umweltbundesamtes /14/ zu beachten und manchmal nicht nur technische Trocknung des Bodenaufbaus, sondern bei starken mikrobiellen Belastungen auch eine Demontage des Fußbodens erforderlich, insbesondere bei Überschwemmungen oder Abwasserschäden.

Verschimmelte Putzoberflächen sollten ebenfalls besser ersetzt als nur oberflächlich behandelt werden.

Eine Schimmelpilzsanierung ist nach Vorgaben des Umweltbundesamtes (Schimmelpilz-Leitfaden 2017)  und der Neufassung der Vorgaben der BG Bau streng geregelt und wird grundsätzlich wie folgt gegliedert:

  1. Herstellen einer staub- und sporendichten Abschottungen, Aufbau eines staubdichten Zugangs aus Folien vor dem Arbeitsbereich, ggf. ergänzt durch eine technische Luftführung für die Reduzierung der Sporenkonzentrationen im Bereich
  2. vollständiger Ausbau der mit Schimmelpilzen befallenen Materrialien
  3. Sichtkontrolle bezüglich des vollständigen Ausbaus aller Befallsflächen
  4. sorgfältige Feinreinigung aller Oberflächen der Wände, Decken, Böden mit H12-Saugern und eine mehrstufige Feuchtreinigung mit desinfizierenden Zusätzen
  5. messtechnische Sanierungskontrolle der Raumluft und der Oberflächen zur Überprüfung des Reinigungserfolges (Partikelsammlung)
  6. bei Nachweis des Erfolges Wiederherstellung der Fußboden- und Wandoberflächen

Unabhängig von der Vorgehensweise bei der Sanierung müssen die Vorgaben der UBA-Leitfäden und der BG Bau DGUV -I 201-028 (früher BGI 858)  eingehalten werden. Die Arbeiten sollten daher von Sanierungsfachfirmen oder von Bauhandwerkern unter Anleitung und Aufsicht eines geschulten Sachverständigen aufgeführt werden.

b)       Schimmelpilzsanierung an Akten, Archivgut, Kunst, Bildern in Archiven, Aktenlagern und Museen

Anders als bei den Schimmelpilzsanierungen am Gebäude kann das verschimmelte Archivmaterial oft nicht ausgebaut und entsorgt werden. Es können lediglich verschimmelte Verpackungen, wie Aktenordnerdeckel oder Kartonagen entfernt werden. Die Akteninhalte, Kunstgegenstände, Bilder selbst müssen durch angepasste, schonende aber wirksame Sanierung weitestgehend von Schimmel befreit werden.

Der erste Schritt bei dieser Bearbeitung ist in der Regel die vollständige Trocknung der Gegenstände, wenn möglich durch Gefriertrocknungen kombiniert mit Absaugungen. Danach werden die Aktenordnerdeckel sowie die Schnittkanten der Akteninhalte mit Feinstaubsaugern (H12/13) abgesaugt und mit schonenden chemischen Desinfektionsmaßnahmen deaktiviert (Alkohole). In seltenen Fällen werden hierzu auch Begasungen oder Bestrahlungen eingesetzt. Durch diese Maßnahmen kann der Befall und damit die weitere Materialschädigung gestoppt werden. Bei Aktenordnern kann man für diese Sanierung durchaus mit Kosten von ca. 5 EUR/Stück rechnen.

Die gesundheitliche Gefährdung bei der Arbeit mit restbeaufschlagten Akten wird durch Desinfektionen allein nicht vollständig beseitigt, denn auch desinfizierter oder eingetrockneter Befall kann zu Reizungen oder allergischen Effekten führen. Die Sporenfreisetzungen werden lediglich miniert. Je intensiver die Feinreinigungsmaßnahmen auf den Gegenständen durchgeführt werden (Absaugen mit HEPA-Sauger, feuchtes Nachwischen), umso geringer wird die Freisetzung von Sporen und Fragmenten aus dem Material sein. Der Erfolg sollte durch Luftmessungen und Oberflächenproben (Folienkontakte, Partikelsammlung, keine nährbodengestützten Messverfahren!) überprüft werden, auf Nährböden werden wegen der sterilisierenden Wirkung in der Regel ohnehin Minderbefunde festgestellt. Auf persönliche Schutzmaßnahmen kann nur verzichtet werden, wenn die Befallsanteile (Sporen, Gerüche und Fragmente) deutlich sehr reduziert wurden. Ansonsten können auch separate Arbeitsbereiche für restkontaminiertes nicht zu reinigendes Material eingerichtet werden, das dann trocken und eingeschweißt zur Archivierung verwahrt wird.

Vorsorgemaßnahmen gegen Befall in Archiven

Archivräume sollten wegen der Anfälligkeit des eingelagerten Materials gegenüber mikrobiologischer Besiedlung trocken sein und raumklimaüberwacht werden (Datenlogger). Ungedämmte Dachböden oder Kellerräume von historischen Gebäuden sind in der Regel ungeeignet als Archivräume, weil hier starke saisonale Luftfeuchteschankungen schnell zu Schäden führen können. Auf Dachböden in den kann es in den Wintermonaten zu Auskühlungen und Kondensatbildung kommen. Kellerräumen sind von Anfeuchtungen durch defekte Fundamentabdichtungen, Rückstauschäden oder unwetterbedingte Überschwemmungen oder sommerliche Kondensation in den kühleren Bereichen bedroht. Die Raumlufttemperaturen sollten gleichmäßig bei etwa 18°C liegen, die relative Feuchte um 50%. Es sollte kein direkter Luftkontakt zu wärmeren oder feuchten Bereichen bestehen. Statt mechanischer Lüftungen oder geöffneter Fenster sollten Anlagen mit hygrostatgesteuerter Feuchtesteuerung, Klimageräte mit Entfeuchtung oder technische Entfeuchtungsgeräte eingesetzt werden.

In Archiven, Aktenlagern oder Museen sollten möglichst keine Dauerarbeitsplätze aufgebaut werden. Die Einrichtung sollte eine regelmäßige Reinigung und gleichmäßige Belüftung ermöglichen. Eingehende Gegenstände und Akten sollten von den Beschäftigten gleich auf sichtbare Schimmel- oder Feuchteschäden geprüft und wenn bei auffälligen Befunden separat eingelagert werden.

Es sollte für eine regelmäßige Reinigung der Archivräume mit HEPA-Saugern oder Abwischen gesorgt werden. Die Reinigung von kontaminierten Archivräumen ist eine Sanierungsaufgabe, die von Fachfirmen unter besonderen Schutzmaßnahmen mit hierfür ausgerüsteter Gerätetechnik vorzunehmen ist.

Unser Ingenieurbüro führt seit 20 Jahre Raumluftmessungen und Geruchsprüfungen im Rahmen gerichtlicher Auseinandersetzungen, zur Bewertung der Raumluftqualität in Gewerbeobjekten, Aktenlagern, Archiven und Museen durch. Kontaktieren Sie uns für eine Vorbesprechung und Angebotseinholung:

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