Winterliche Kondensation und Schimmel in Wohnungen Nutzungsmängel oder Wärmebrücken als Ursache

 

Zusammenfassung

Insbesondere in den Wintermonaten kann es an Außenecken, Sockelbereichen oder hinter Möbeln von Wohnungen zu Kondenswasserbildung und Schimmelpilzbefall kommen. Zusätzlich zu gebäudebedingten Ursachen, wie Durchfeuchtungen von außen (Defekte an Fundamentabdichtung, Balkonen, Dach) oder Leitungswasserschäden, sind hierbei oft Mängel an der Wärmedämmung (Wärmebrücken) oder falsches Nutzerverhalten verantwortlich.

Eine sichere Klärung der Ursachen und Verantwortlichkeiten sowie konkrete Maßnahmen-empfehlungen zur Vermeidung künftiger Schäden können oft nur durch Untersuchungen und ein Sachverständigengutachten erreicht werden.

Inhalte eines Sachverständigengutachtens zur Ursachenermittlung bei winterlicher Anfeuchtung und Schimmelbefal1. Beschreibung und Bewertung des Schadensbildes und Analyse des mikrobiellen Befalls

1. Dokumentieren der Lage, Einstufen der Größe und Eindringtiefe des Befalls nach Vorgaben des Umweltbundesamtes. Analysieren der dominierenden Schimmelpilzgattungen, da oft zwischen Besiedlern auf ausgekühlten Räumen oder Wärmebrücken (z.B. Cladosporium), Schimmelpilzen in warmen aber zu feuchten Räumen (Aspergillus-Arten) und typischen Wasserschadenspilzen (Chaetomium, Stachybotrys) unterschieden werden kann und sich aus der Schimmelpilzanalyse bereits erste Rückschlüsse auf die Ursache ziehen lassen.

2. Auswertung der Angaben der Wohnungsnutzer zum Schadenseintritt und -verlauf

Wohnungszustand bei Übernahme (Übergabeprotokoll) und eventuellen Vorschäden, Zeitpunkt des Schadenseintritts und saisonale Schwankungen des Schadensverlaufs (niederschlags- oder temperaturabhängig?)

3. Auswertung der Angaben der Wohnungsnutzer zum Heiz- und Lüftungsverhalten

Anzahl der Personen, Nutzungsänderungen durch Berufstätigkeit, Kindsgeburt, Wäschetrocknung, Auszug von Personen o.ä., Angaben zum üblichen Heiz- und Lüftungsverhalten, früheren Heizungsdefekten, Auswertung   von Ablesewerten der Nebenkostenabrechnung (ISTA, TECHEM o.ä.), ggf. Überprüfen des Nutzungsverhaltens durch Datenlogger über mehrere Wochen in der Heizperiode

4. Berechnen der Mindestwärmedämmung der Außenwände

Werden die Anforderungen bei Errichtung nach DIN 4108 erfüllt? Kalkulation Temperatur- und Feuchteverläufe in der Außenwand für Außentemperatur von -5°C

5. Nachvollziehbare Messungen der Baufeuchtewerte auf den Schadensbereichen und der Oberflächentemperaturen bei normgerechter Beheizung und bei kalten Außenbedingungen

6. Tabelle mit Messwerten zu den Baufeuchteparametern, aussagefähige Thermografieaufnahmen

7. Kalkulieren des Schadensrisikos an den Wärmebrücken (fRSi-Wert) und sich einstellenden Oberflächentemperaturen bei +5°C, 0°C, -5°C sowie der tauwasserkritischen relativen Feuchten bei 20°C Raumlufttemperatur.

8. Kalkulieren des Feuchtehaushalts, erforderliche Mindestbelüftung abhängig von der Dichtheit der Fenster und der Infiltrationsrate, ggf. Blower-Door-Messung zur exakten Ermittlung der Luftwechselrate. Anhand der angetroffenen Situation sollte eine Überprüfung vorgenommen werden, wie oft die Wohnung für die Erhaltung eines schadensfreien Zustands täglich gelüftet werden muss.

Nicht immer kann der Sachverständige alle Prüfparameter vollständig abarbeiten, weil die bauliche Situation sich bereits verändert hat (Wärmedämmung), die Nutzer ausgezogen sind oder die Parteien erforderliche Unterlagen nicht einreichen.

 

Nutzerverhalten oder Baumängel als Ursache von Feuchtigkeit - die Bauphysikalische Untersuchung bringt Klarheit

Schimmelpilzbefall ist immer die Folge von länger anhaltender, erhöhter Feuchtigkeit. Bei Schimmelpilzschäden an Innenwänden sind in der Regel Wasserschäden ursächlich. Bei Durchfeuchtungen mit Wasserflecken an der Decke zum Dach in der Regle Niederschlagswasser. Aufsteigende Feuchtigkeit in den unteren Geschossen (Souterrain, Erdgeschoss) tritt meist nur bei Altbauten auf. Diese nicht kondenswasserbedingten Schäden können auch außerhalb der Heizperiode auftreten und die Schadensbereiche weisen dann auch im Sommer erhöhte Feuchtigkeit auf. Dies kann durch Baufeuchtemessungen überprüft werden.

Schäden, die typischerweise nur in der Heizperiode auftreten, sind durch Feuchtigkeits- oder Schimmelbildung an den Außenwandecken oder hinter Mobiliar charakterisiert. Weil sich diese Schadensbereiche jeweils an den kühlsten Raumoberflächen bilden, lässt sich der Temperaturverlauf an den Außenwandecke oftmals gut an den Schimmelpilzbefallsstellen ablesen – die Schadensbereiche bilden eine Art „biologischer Thermographie“. Kondenswasserschäden entwickeln sich in der Regel in der kalten Jahreszeit und trocknen dann bei höheren Außentemperaturen vollständig ab. Eine Kondenswasserbildung an Außenwänden ist entweder Folge zu unzureichender Dämmung des Gebäudes (Wärmebrücken) oder von Nutzungsmängeln, wie zu geringer Beheizung und Belüftung der Räumlichkeiten.


Die Dämmung von Außenwänden kann außerhalb der Heizperiode durch Softwarekalkulationen überprüft werden. Nachteil hierbei ist, dass die Anwendungen oftmals nur zweidimensionale Berechnungen ermöglichen, da kritische Wandecken oder Keller- und Tiefgaragenanschlüsse nur schwer zu simulieren sind. Ein weiterer Nachteil kann sein, dass der Aufbau realer Bauteile von dem in den Planunterlagen abweichen kann.

Eine wirklichkeitsnähere und zerstörungsfreie Überprüfung der Wärmedämmung kann durch Bauteiltemperaturmessungen oder thermografische Untersuchungen in der Heizperiode vorgenommen werden.

Baufeuchtemessung, Bauteiltemperaturmessung, Thermografie


Die Baufeuchtemessungen werden standardmäßig mit elektrisch arbeitenden, direkt anzeigenden Geräten vorgenommen (Widerstandsmessung, dielektrische Verfahren). Die verschiedenen Messmethoden weisen Besonderheiten auf, setzen also langjährige Erfahrung des Ausführenden und Referenzmessungen außerhalb der Schadensbereiche voraus. Für eine exakte Ermittlung der Materialfeuchte in verschiedenen Schichten ist eine Materialentnahme erforderlich (Darr-Methode mit Trocknung und Einwaage).

Zur Überprüfung der Heizungs- und Lüftungsgewohnheiten der Nutzer können Langzeitmessungen des Raumklimas kombiniert mit Oberflächentemperaturmessungen an den Schadensbereichen, an Heizkörpern und Referenzflächen durchgeführt werden. Aus den Aufzeichnungen können dann die typischen Nutzungsmuster (Beheizung, Lüftungszyklen, Wasserdampffreisetzung) und deren physikalische Folgen an den Schadensbereichen erfasst, nachvollzogen und bewertet werden. Da die Nutzer bei aufgestellten Messgeräte eine vom Üblichen abweichende Beheizung und Belüftung praktizieren können, sollten zusätzlich die Wärmeverbrauchswerte/ Ablesewerte der Nebenkostenabrechnungen mit ausgewertet werden.

Die Kurzzeitmessungen der Oberflächentemperaturen beim Ortstermin werden in der Regel durch IR-Sonden oder mit der Thermografiekamera vorgenommen. Wichtig ist hierbei immer eine ausreichend lange Konditionierung der Räume mit über 20°C Lufttemperatur und ausreichend niedrige Außentemperaturen am Messtag.

Die Ergebnisse dieser Bauteiltemperaturmessungen dienen als Grundlage verschiedener bauphysikalischer Prüfmethoden. Als Ergebnis kann das Kondenswasserrisiko bei verschiedenen winterlichen Außenbedingungen (+5°C, 0°C, -5°C) ermittelt und damit geschlussfolgert werden, welche Schadensbereiche bei ordnungsgemäßer Nutzung schadensfrei bleiben und welche so starke Defizite der Dämmung aufweisen, dass sich auch bei normgerechter Nutzung Kondenswasser bildet.

Bei entsprechenden Fragestellungen können durch Kombination von Thermografie mit Unterdruckhaltung (Blower-Door-Tests) dann auch Luftundichtigkeiten an Fenstern, Rollladenkästen, Türen und Decken zum Dachraum lokalisiert und visualisiert werden.

In der Zusammenschau der Ergebnisse aller Prüfkriterien können die wesentlichen Schadensursachen benannt und hieraus entsprechende Vorgaben zur Verbesserung der bauphysikalischen Situation oder der Nutzung gegeben werden.

Die entsprechenden Messverfahren werden von unserem Büro standardmäßig im Rahmen der Sachverständigentätigkeit für Gerichte und unsere anderen Kunden eingesetzt. Für die Durchführung derartiger Untersuchungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Der Autor

Dipl.-Ing. René Fuchs ist nach dem Abschluss des von der FH Lübeck und der Medizinischen Universität Lübeck gemeinsam organisierten Studiengangs „Umwelt- und Hygienetechnik“ sieben Jahre Projektleiter der Abteilung „Schadstoffe in Innenräumen“ am Institut Fresenius Taunusstein gewesen und hat in dieser Funktion Schadstoff- und Schimmelpilzuntersuchungen sowie Sanierungsmaßnahmen in mehr als 800 Objekten betreut.

Seit 1999 führt er sein eigenes Sachverständigenbüro zur Untersuchung von Schimmelpilzen und Schadstoffen in Gebäuden (IGU Ingenieurbüro Gesundheit+Umwelt). Seit 2003 ist er öffentlich bestellter Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen der IHK. Seit der bestandenen erweiterten Sachverständigenprüfung im Jahr 2005 ist auch er für das Thema Schimmelpilze in Innenräumen öffentlich bestellt und vereidigt. Sein Büro bearbeitet jedes Jahr etwas 250 Projekte für Gerichte, öffentliche Verwaltungen, Firmen, Versicherungen und Privatleute

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