In Großküchen und Kantinen kann es durch Undichtigkeiten an den Bodenabläufen, Randfugen oder Installationen zu starken Durchfeuchtung der Fußbodenkonstruktion und der Sockelbereiche in den zentralen Bereichen und angrenzenden Lagerräumen, Umkleiden und Büros kommen. Die gesundheitliche Gefährdung der Mitarbeiter durch die Arbeit in der Küche hängt von der Größe und Lage der Befallsflächen, der Art des befallenen Materials und der Intensität der Belüftung ab.

Oft ist die hygienische Situation in den Nebenräumen, wie Umkleide und Pausenräume ungünstiger als in den eigentlichen Küchenbereichen, weil es hier durch zeitweise Schadensabtrocknung zu einer deutlichen Raumluftbelastung und Oberflächenkontamination durch Schimmelpilzsporen, die auch zu einer inhalativen Exposition und zu Beaufschlagungen an Inventar und Schrankinhalten kommen kann (Mitarbeiterbekleidung). Zur Wiederherstellung hygienischer Verhältnisse besteht oft kurzfristiger Handlungsbedarf.

Je nach Feuchteaufkommen ist es in der Trittschalldämmung zu unterschiedlichem mikrobiellem Befall gekommen. In stark durchfeuchteten Materialien dominieren Bakterien, in den etwas trockneren Randbereichen des Schadens die Schimmelpilze. In den durchfeuchteten Bereichen dominieren die Bakteriengehalte mit Konzentrationen größer 107 KBE/g.

Da es zurzeit in Deutschland keine verbindlichen Vorgaben für die Bewertung von Schimmelpilzbefall in Trittschalldämmungen gibt, orientiert sich die Einstufung auf dem Bewertungsschema des analysierenden Labors und den Empfehlungen des Umweltbundesamtes im Schimmelpilz-Sanierungsleitfaden 2005:

„Dämmschichten mit primärem massivem Schimmelpilzbefall müssen ausgebaut werden.“

In der im Juni 2013 veröffentlichten „Handlungsempfehlung zur Beurteilung von Feuchteschäden in Fußböden“ des Umweltbundesamtes werden die Hinweise zum Umgang mit feuchtegeschädigten Fußbodenkonstruktionen wie folgt konkretisiert:

c)            Szenario: Rückbau aus hygienischen Gründen aufgrund mikrobiellen Wachstums erforderlich 

Ein Rückbau der Fußbodenkonstruktion ist dann zu empfehlen, wenn sich eine Trocknung über einen längeren Zeitraum von über drei Monaten ab Schadensbeginn hinziehen würde bzw. hingezogen hat oder der Feuchteschaden über längere Zeiträume immer wieder aufgetreten ist (mehrmalige Feuchteereignisse) und jeweils organische Baustoffe vorliegen, die leicht von Mikroorganismen besiedelt werden können und zu einem massiven Wachstum führen können.

In diesem Szenario ist eine mikrobielle Besiedlung des Fußbodenaufbaus sehr wahrscheinlich. Auch hier sind mikrobiologische Untersuchungen nicht erforderlich, können jedoch im individuellen Bedarfsfalle für eine letztgültige Entscheidung oder aus juristischen Gründen in Erwägung gezogen werden. So kann der Auftraggeber, nachdem dieser über die genannten fachlichen Aspekte informiert wurde, entscheiden, ob mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt werden sollen.

Außerdem wird weiter ausgeführt:

 

Zurzeit gibt es kein grundsätzliches Demontagegebot bei hohen Bakteriengehalten in der Trittschalldämmung.

 

Als erster Schritt muss in der Regel die hygienische Situation in den Nebenräumen normalisiert und die Ursachen der Durchfeuchtung kurzfristig untersucht und abgestellt werden. Die Bauteile sollten getrocknet und stark geschädigtes und befallenes Material ausgebaut und ersetzt werden.

 

Die Schäden an den Sockelbereichen sind gemäß dem Schimmelpilzleitfaden des Umweltbundesamtes  sind die Schäden in die höchste Schadenskategorie „3“ einzuordnen:

„große Biomasse; große flächige Ausdehnung  > 0,5 qm, auch tiefere Schichten können betroffen sein“

Der Schimmelpilz-Leitfaden des Umweltbundesamtes formuliert bezüglich Gesundheitsgefährdungen durch Schimmelpilze:

„Die Feststellung einer Schimmelpilzquelle im Innenraum ist nicht gleichzusetzen mit einer akuten Gesundheitsgefährdung der Raumnutzer. Das Ausmaß der Gesundheitsgefährdung ist abhängig von der Art des Schadens und der Empfindlichkeit der Raumnutzer und kann im Einzelfall aufgrund fehlender wissenschaftlicher Daten meist nicht genau quantifiziert werden.…

Ergibt die Beurteilung, dass eine Schimmelpilzquelle im Innenraum vorliegt, sollte daher eine Sanierung erfolgen. Schimmelpilzquellen im Innenraum sind aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes zu beseitigen.“

 (Abschnitt C-2 Schimmelpilzleitfaden UBA 2002)

Es wird darauf hingewiesen, dass die Küche und das Lager unter die Zuständigkeit der DIN 10506: 2012-03 als Einrichtung der Gemeinschaftsverpflegung fallen:

„Pkt. 3.1 Gemeinschaftsverpflegung

Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung sind z.B. Mensen…. sowie Gaststätten und Restaurants, soweit diese Gemeinschaftsverpflegung im Sinne dieser Norm produzieren.“

Es besteht die Forderung der DIN von reinen Oberflächen:

„3.6 rein

Aus mikrobiologischer Sicht akzeptabler Zustand von Flächen, Bedarfsgegenständen und Lebensmitteln.“

 

 „Die gesamte Betriebsstätte ist in einem sauberen, ordentlichen und aufgeräumten Zustand zu halten. Häufiges Zwischenreinigen verbessert die Herstellungshygiene.“

In den Produktionsbereichen sind diese Vorgaben trotz des Wasserschadens zurzeit noch eingehalten. Es besteht trotzdem Handlungsbedarf. Die Sanierung ist mit den hygienischen und veterinärdienstlichen Aufsichtsbehörden abzustimmen.

Mittelfristig muss eine sachgerechte Sanierung der geschädigten und feuchten Trittschalldämmung vorgenommen werden:

Für die Fußbodenkonstruktionen mit abgetrockneten Altschäden sollte durch eine Nachbeprobung und labortechnische Untersuchung geklärt werden, welche Schimmelpilz- und Bakterienkonzentrationen hier vorliegen und ob Sanierungsarbeiten vorzunehmen sind (Nachtrocknung, Desinfektion oder Teildemontage).

Wenn die ausführende Sanierungsfirma die technischen Möglichkeiten hat, die Fußbodenkonstruktion schnell und vollständig zu trocknen ohne dass es bei den mehrwöchigen Abtrocknungsprozessen zu Schimmelpilzwachstum kommt und wenn es möglich ist, wirksame Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen, durch die eine vollständige Normalisierung der Keimgehalte im Fußboden erreicht wird, ohne dass Korrosionsschäden an Metallteilen entstehen, kann dies durchgeführt und der Erfolg der Maßnahmen durch Kontrolluntersuchungen überprüft werden.

Bei den Sanierungsarbeiten muss auf die Errichtung staubdichter Abschottungen vor Beginn der Arbeiten zur Vermeidung von Sporenverfrachtungen geachtet werden.

Beim Ausbau der befallenen Materialien müssen folgende Arbeitsschritte und Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden:

 

1.    Herstellen einer staub- und sporendichten Abschottung, Aufbau einer Zugangsschleuse aus Folien vor dem Arbeitsbereich, ggf. ergänzt durch eine technische Luftführung für die Reduzierung der Sporenkonzentrationen im Bereich

2.    vollständiger Ausbau der mit Schimmelpilzen befallenen/ kontaminierter Randdämmungen, Putzsockel, Sockel der Leichtbauverkleidungen, sicherer  Abtransport der Abfälle

3.    Trocknung und Desinfektion der bakteriell geschädigten Fußbodenbereiche, Nachkontrolle der Wirksamkeit, Sichtkontrolle

4.    sorgfältige Feinreinigung aller Oberflächen der Wände, Decken, Böden mit K1-Saugern und eine mehrstufige Feuchtreinigung mit desinfizierenden Zusätzen

5.    Staubdichte Abschottung der Randfuge bei geringer belasteten oder desinfizierten Fußbodenkonstruktionen (SIGA Primur und Abdeckbänder o.ä.)

6.    messtechnische Sanierungskontrolle der Raumluft und der Oberflächen zur Überprüfung des Reinigungserfolges

7.    Wiederherstellung der Oberflächen.

 

Die Vorgaben der Berufsgenossenschaft Bau BGI 858: „Gesundheitsgefährdung durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung“ sind in jedem Fall einzuhalten (Gefährdungsklasse 3).

Der zuvor zitierte Leitfaden empfiehlt, vor Wiederherstellung und Wiedereinrichtung der Räume den abschließenden Sanierungserfolg durch Kontrollmessungen überprüfen zu lassen. Die Abschottungen sollten bis zum Nachweis einer erfolgreichen Sanierung stehen bleiben, da im Falle eines vorzeitigen Abbaus der Schutzeinrichtungen die Gefahr einer Sporenverfrachtung gegeben ist. 

Zur Überprüfung der Wirksamkeit der Erstmaßnahmen und zum Abschluss der Sanierungs- und Reinigungsmaßnahmen sollten messtechnische Kontrollen erfolgen (Raumluft- und Oberflächenproben).

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